Der Bandname versucht es ebenso wenig zu verheimlichen, wie der Albumtitel: alle Zeichen stehen auf Irish Folk Rock. Die Kilkenny Knights erzählen auf ihrem Debutalbum Ge­schich­ten von sagenhaften Dämonen, der rauen See und der untrennbaren Trias Rebellen-Frauen-Whiskey.

Den Iren liegt dieser traditionelle Folk halt im Blut, denkt man wippenden Fußes beim ersten Hören der Platte. Doch aufgemerkt Freunde! Diese Ritter kommen nicht aus dem rauen Irland, sondern ziehen von Coburg aus für die traditionelle Musik der grünen Insel ins Feld. Im Marschgepäck haben sie dabei nicht nur Gitarren, Schlagzeug und Dudelsack, sondern eine ganze Bandbreite verschiedener Instrumente, wie Akkordeon, Querflöte, Mandoline oder die irischen Traditionals Tin Whistle und Bodhran. Weil jeder Ritter auch mal eine Pause braucht beginnt unsere Geschichte, Na? Genau! Im Pub…

Gemütliches Kneipengemurmel, Gläserklirren und eine Ansage: „Raise your Pint´s and drink the whole glass…“, das Schlagzeug macht rhythmisch den Weg frei für den Dudelsack und schon brechen die irischen Klangstürme los, wie die im Text beschriebene Kneipen­schläger­ei. Es braucht höchstens die erste halbe Minute dieses Openers bevor man als Hörer angekommen ist in Brady´s Pub und den urigen Eichenholztresen vor dem inneren Auge sieht.

Nach dieser fulminanten Eröffnung jagt in den folgenden dreizehn Songs eine Folkmelodie die Nächste. Bei der Interpretation traditionellen englischen Liedguts wechseln sich Akkordeon und Dudelsack ab, während der Gesang uns von Sweet Sally, O´Farell und dem falschen Freund und miesen Verräter Whiskey erzählt.

´Cause the devil gets my best friend when I drink…

 

Oft ist es zu viel Input, wenn ein ganzes Album lang ein Up-Tempo-Folk nach dem Anderen auf einen niederprasselt. Diesen Fehler machen die Kilkenny Knights nicht. Wo es musi­kal­isch zu dicht und unübersichtlich wird, lockert die Flöte das Klangbrett wieder auf und lässt Songs wie Wake Up Sweet Sally vielschichtiger wirken. Wo einem die Jagd nach dem Piperdemon die Luft anhalten lässt, folgt der ruhige Song Rebel, der durch seine getragene Erzählweise und die Akustikgitarren den Hörer durchatmen und lauschen lässt. Und das Ende der Geschichte?…

Brady´s Pub Tales ist wie einer dieser Abende an denen man sich mit den Kumpels nur auf EIN Bier treffen wollte, weil man am nächsten Tag früh raus muss. Ehe man es sich versieht läutet der Wirt zur letzten Runde und es ging mit Sicherheit in hitzigen Diskussionen mindestens ein Glas zu Bruch bevor man sich anschließend bierselig umarmte, lachte, tanzte. Jeder hat solche Abende schon erlebt. Sie sind nichts Besonderes, weil sie an neuen exklusiven Orten mit neuen aufregenden Leuten stattfinden, sondern weil sie das Altbekannte feiern und einen dabei trotzdem immer wieder unerwartet packen.

Kleine Notiz am Rande: das Album ist bereits 2014 erschienen, aber mit gutem Folkrock verhält es sich meiner Meinung nach wie mit gutem Whiskey.

Jule

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