Manch einer kennt das vielleicht: Man will sich nach langer Zeit mal wieder was gönnen und zieht bei der passenden Gelegenheit los um es zu kaufen. So richtig weiß man noch nicht, was es am Ende wird, aber die grobe Richtung ist klar. Und dann unterhält man sich mit einem Verkäufer, quatscht sich so richtig fest und ehe man es sich versieht, hat man anstatt einer Sache gleich drei davon und ist so begeistert, dass man sofort allen Menschen damit auf den Keks geht.

So geschehen am Stand von Rhythm Bomb Records beim „Firebirds Festival“ in Trebsen – und das Resultat liegt mir jetzt schon wieder seit einigen Wochen richtig fies in den Ohren. Die Rede ist von Jai Malano: „Rocket Girl“. Kennt man nicht? Gut. Ich kannte die Frau mit ihrer bombastischen Stimme bisher auch noch nicht. Leider!

Schon beim Opener „You Made Me Love You“ krault die wahnsinnig soulige Stimme von Jai einem über die Haut, hinterlässt Gänsehaut und vor Tanzlust juckende Füße.

 

Zu hören gibt es richtig geilen Rhythm’n’Blues gewürzt mit ein bisschen Soul und dem nicht ganz unerheblichen Fakt, dass der ebenfalls ziemlich geniale Nico Duportal die Gitarre singen lässt – Rock’n’Roll in Bestform! Und das geht bei den restlichen Songs durch die Bank weg so weiter. Angenehmerweise wird bei einigen Songs – wie beispielsweise „Learn About A Man“ oder dem titelgebenden „Rocket Girl“ – das Tempo auch vergleichsweise zum Opener angezogen. Ein Traum für Tanzwütige und servierfreudige DJs. Im Ernst: diese CD hat einen richtig geilen „Charakter“ und ich muss lange überlegen, wann ich mal beim Hören einer neuen Scheibe so oft Gänsehaut hatte und völlig perplex nur noch „WOW!“ rausgekriegt habe.

Schön sind auch die durchaus humorvoll angehauchten und dezent versauten Texte, ein Faktor der mir persönlich bei manchen jungen Rock’n’Roll Bands einfach fehlt. Songs wie der „Schnick-Schnack-Boogie“ neigen also nicht nur dazu, sich zu geschmackvoll aufgeblähten Ohrwürmern zu entwickeln, sondern erinnern auch ein klein wenig daran sich selbst und die Musik die man liebt manchmal ein bisschen weniger ernst zu nehmen. Zum Schluss muss vor allem noch Jai’s Coverversion vom legendären „Hound Dog“ hervorgehoben werden. Der Song ist ja so schon spitze – was die junge Dame mit ihrer Stimme aber daraus macht, ist in einem Wort: der Hammer.

Im Grunde ist die ganze CD ein echter Kracher. Zwar gibt es auch ein paar Songs, die man skippen kann, aber der Rest ist dafür so dermaßen sexy, dass man am liebsten den „space suit“ holen würde und mit Jai Malano losdüsen will! Richtig fett!

Ben

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